Ostern 2022

Lieber Schinski,

Du hast gestern wahrscheinlich schon nach dem neuen Beitrag gesucht. Sorry, gestern (seit Freitag) war ich bei der Omi und habe mich den ganzen Tag um sie gekümmert. Jetzt sitze ich hier im Fairterminal und warte auf die Abfahrt der Fähre nach … Juist. Ja, déjà vue, also, es ist alles ähnlich wie bei der Fähre nach Baltrum. Ich werde die nächste Woche auf der Insel Juist verbringen. Mal ein wenig erholen.

Ich habe das Osterwochenende, seit Freitag in Nortmoor bei der Omi verbracht. Gestern morgen waren die Omi und ich erst einmal in der Ostermesse. Omi hat sich wirklich lange darauf gefreut, mal wieder in die Kirche zu gehen. Das kannst Du vielleicht nicht so gut nachvollziehen, aber für sie bedeutet das sehr viel. … für mich auch, wie Du weißt.

Nach der Kirche gab es Brunch bei Terlaus. Moritz hatte zwei wunderbare Hefezöpfe gebacken. Die waren so frisch und appetitlich – wunderbar. Übrigens hatte Moritz auch für Freitag die Strüwchen vorbereitet. Das ist ja das traditionelle westfälische Karfreistagsgericht. Die haben wir, Moritz und ich, zusammen in der Pfanne gebacken, er an einer Pfanne und ich an der anderen. Hat echt Spaß gemacht.

Naja, hier ein paar Bilder von unserem Osterbrunch:

Sieht das toll aus? Ja, finde ich schon.

Nachmittags bin ich mit der Omi nach Pogum und Ditzum gefahren. Dort sind wir ein bisschen auf dem Deich, an der Ems entlang, spazieren gegangen und danach haben wir in einem Café Eis gegessen. Es war ein echt schöner Nachmittag und die Omi fand das wirklich schön. Sie kann ja nicht mehr so weit gehen, aber für ihr Alter (in diesem Jahr wird sie 88) eigentlich noch richtig gut. Abends waren wir wieder bei den Terlaus zum Abendessen. Ein richtig schöner sonniger Ostertag war das.

Ich hoffe, Du hattest auch einen schönen Ostertag. Ich nehme an, dass Du bei Deiner lieben Familie in Aachen warst. Bestimmt hast Du Dich gefreut, Deine Cousinen und Cousins mal wieder zu sehen. Ich würde sie auch mal gerne wieder treffen und schauen, wie sie vermutlich schon richtig groß geworden sind.

Heute ist schon Ostermontag. Ich bin mittags zur Insel Juist rübergefahren. Nachmittags gab es einen wunderschönen Tag am Strand und auf der Promenade. Es ist ein bisschen wie Baltrum (weißt Du noch, wie wir auf Baltrum mit Benni im Zelt übernachtet haben?), die Insel Juist ist aber etwas größer.

Liebe Ostergrüße sendet Dir Dein Papa

Frühling II

Lieber Schinski,

die Woche war divers 🙂

Boot in den Rursee

Heute war echt ein anstrengender Tag. Ich habe ganz alleine das Boot zum Rursee gefahren. Es war heute Morgen noch in Aachen-Brand in der Werft. Dort habe ich die Kissen, die Segel, die Batterie uvm ins Boot geladen und den Mast ordentlich befestigt. Von dort habe ich es nach Woffelsbach gefahren. Gegen Mittag Krantermin. Dann Mast-Stellen etc. Du kennst das Ganze. Zu Zweit hätten wir es schneller gemacht und hätten bestimmt auch Spaß dabei gehabt.

Vortrag in der Motorworld

Am Mittwoch habe ich einen Vortrag bei einer Tagung gehalten. Das Ganze fand in der Motorworld statt, auf dem früheren Kölner Flughafen-Gelände am Butzweilerhof. Eine „coole Location“ wie man so sagt. Die Banker mochten es.

Dort kann man in dem Michael Schumacher-Hangar eine Menge coole Autos besichtigen.

Frühjahrkonzert

Am Donnerstag war ich beim Frühjahrkonzert einer Musikschule (vor allem Flöte) aus dem Kölner Süden. Ich wurde sehr an Deine Aufführungen vor den Sommerferien in der Klavierschule erinnert. Das fand ja immer in der Domsingschule auf der Clarenbachstraße statt und ich fand es toll, dass Du da mitgemacht hast. Ich hoffe, dass Du noch immer gerne Klavier spielst.

Soweit

Im Übrigen habe ich mich die ganze Woche gefragt, was Du wohl denkst, wenn Du wegläufst vor Deinem Papa, so wie am 30.3.2022 morgens bei unserer zufälligen Begegnung. Wie kommt ein fast 17-jähriger Junge, der bis zu seinem fast 14. Lebensjahr seinen Papa geliebt hat, ihm vertraut hat und ihn als seinen treu sorgenden Papa nicht in Frage gestellt hat (siehe Fotos aus der Titelseite), dazu, nun vor ihm zu flüchten und seine Mama per Smartphone um Hilfe (wozu?) anzurufen? Ich würde es gerne verstehen. Natürlich habe ich in den letzten drei Jahren unzählige Bücher und wissenschaftliche Abhandlungen über Parental Alienation gelesen und Erklärungen von kognitiver Dissonanz, Beiträge aus wissenschaftliche Symposien, Dissertationen, Artikel und die ganzen Bücher von Amy Baker. Das würde alles passen. Es hilft Dir aber nicht viel. Ich würde gerne von Dir hören, was Du denkst. Vielleicht kann ich Dir helfen. Ich bin sogar ziemlich sicher, dass ich Dir helfen kann.

Vergiss nicht: Papa hat Dich sehr lieb! Liebe Grüße

Drei Kerzen

Lieber Matis,

ich habe heute Morgen im Dom drei Kerzen (die in der zweiten Reihe) angezündet, eine für die Tante Ulli, eine für Wilhelm und eine für Dich. Ich mache mir große Sorgen um Euch drei. Deshalb.

Liebe Grüße von Deinem Papa

Begegnung am Mittwoch

Lieber Matis,

das war niederschmetternd am Mittwoch, als Du diesem Impuls folgtest und weggelaufen bist.

Ich komme gerade aus Berlin zurück. Eine sehr lange Zugfahrt. Und ich stehe noch immer unter dem Eindruck dieses Ereignisses am Mittwochmorgen.

Wie kann Deine Mutter Dir das antun, Dich so zu terrorisieren gegen Deinen Papa, der Dich wirklich lieb hat und sich auch Dir gegenüber nie anders verhalten hat? Welch ein Lügenterror!

Sie könnte alles von mir bekommen, wenn sie Dich ordentlich behandeln würde. Aber wenn ein junger Mensch so misshandelt wird, muss ich alles Mögliche dagegen tun.

Frühlingsanfang?

Lieber Matis,

dieses Wochenende war (ist) wunderschön, oder? Draußen blühen die ersten Bäume und Blumen, die Sonne scheint, die Luft ist warm und man kann schon draußen sitzen. Wunderschön. Soweit.

Was denkst Du über das Thema Ukraine? Mich belastet das. Ich bin völlig erschüttert, wenn ich täglich die Nachrichten lese. Ich habe nun beschlossen, das zu tun, was ich kann und nicht mehr. Ich glaube, es hilft niemandem in der Ukraine, wenn ich mir täglich Nachrichten über Raketeneinschläge durchlese oder anhöre. Ich tue das, was ich kann. Ich spende Geld, damit es in der Ukraine für Medikamente oder für Lebensmittel eingesetzt werden kann, ich habe in Junkersdorf und über ein anderes Netzwerk angeboten, Flüchtlinge zu unterstützen, notfalls indem sie vorübergehend hier wohnen. Das ist nicht viel, aber mehr geht auch nicht.

Hast Du Dich mal mit dem Thema Propaganda auseinandergesetzt? WARTIME LIES. So heißt ein mittlerweile weltberühmter Roman von Louis Begley, den ich vor gut 25 Jahren gelesen habe. Es geht darin noch nicht einmal um Kriegspropaganda, sondern darum, wie sich ein kleiner jüdischer Junge mit seiner Großmutter und seiner Tante aus Warschau kommend im zweiten Weltkrieg durchgeschlagen hat und mit Lügen den Krieg überlebte. Der Autor, der das so selbst erlebt hat, schämt sich als nunmehr 57-Jähriger dafür – das ist Kernanliegen des Buches -, weil andere jüdische Kinder nicht überlebt haben und er sich „durchgelogen hat“, teilweise soweit gehend, dass er seinen jüdischen Glauben verleugnet hat und in einer katholischen Kirche zu Erstkommunion gegangen ist.

Aber was ist mit den anderen Lügen? Putin erzählt seinem Volk, man würde die Ukraine „entnazifizieren“ und „demilitarisieren“. Er verkauft seinen Leuten einen Krieg, der an Brutalität nur seine eigenen Greueltaten in Grosnij und Aleppo erreicht, als eine notwendige „Spezialoperation“ zu diesem Zweck. Er schickt dafür junge russische Wehrpflichtige in eine Schlacht, aus der viele von ihnen nicht lebend herauskommen werden.

Das alles sehen wir als so absurd, als so grausam, als so widerlich an, weil wir der sogenannten „westlichen Propaganda“ folgen. Weil wir die Welt mit unsere Augen sehen. Aber wie geht es wohl einem 16-jährigen russischen Jungen damit? Meinst Du, er glaubt an die „gerechtfertigte Spezialoperation“ und dass die Menschen in der Ukraine das „verdient“ haben? Vermutlich schon. Er hat ja keine Möglichkeiten, sich anderweitig zu informieren. Die westlichen Nachrichtenportale und Social Media-Kanäle sind in Russland abgeschaltet oder funktionieren so langsam, dass ein 16-jähriger Junge vermutlich sehr schnell die Geduld verliert, bevor er auch nur eine Nachricht dort abfragen könnte (die übrigens vielfach immerhin in russischer Sprache veröffentlicht werden). Er hat keine Möglichkeit, seine Eltern, Onkel oder Tanten zu fragen, weil die entweder von der Propaganda von Putin überzeugt sind oder weil sie nichts Anderes sagen dürfen, ohne dafür schwer bestraft zu werden.

Wie meinst Du, sollte ein 16-jähriger russischer Junge erkennen können, dass Putin ihn belügt. Dass die Aussage „der Westen will Russland und alles Russische zerstören“ (Originalton Putin vom letzten Freitag) schlicht falsch ist (wie auch Präsident Biden gestern in seiner Rede in Warschau klargestellt hat). Der 16-jährige russische Junge müsste schon ein echter IT-Freak sein, sich über VPN in westliche Kanäle einloggen und dann auch noch – das ist das Wichtigste – daran interessiert sein, die Wahrheit herauszufinden. Natürlich ist es so, dass ganz viele 16-jährige besonders daran interessiert sind, die Dinge, die ihnen die Erwachsenen erzählen zu hinterfragen. Aber, wie gesagt, er müsste schon sehr IT-technisch begabt sein. Seine Eltern und Verwandten zu befragen wird nicht helfen, weil die (unter massiven staatlichen Strafandrohungen) nichts Anderes sagen dürfen.

Meinst Du, es wird ihn glücklich machen, die Wahrheit zu erfahren? Dass Putin ihn und das ganze russische Volk dreist und mit brutalen Mitteln (er erfindet jeden Tag neue und zwar drakonische Strafgesetze für diejenigen, die gegenteilige Behauptungen aufstellen) belügt, um seine widerliche Rache gegen das „Westliche“ umzusetzen?

Nein, ich glaube nicht, dass es ihn glücklich machen wird. Aber wenn schon Louis Begley – wie der Roman Wartime Lies zeigt – mit den Lügen, die ihm das Leben gerettet haben, als 50-jähriger Mann schlecht umgehen kann. Um wie viel mehr wird ein russischer 16-jähriger Junge dann in 10 Jahren oder 20 Jahren, wenn er mal die Wahrheit dessen, was in der Ukraine passiert ist, erfährt, darunter schwer leiden und sich lebenslang Vorwürfe machen, dagegen nicht eingeschritten zu sein.

Was meinst Du?

Liebe Grüße schickt Dir Dein nachdenklicher Papa

P.s.: Gestern Abend in der Kirche wurde das Gleichnis vom verlorenen Sohn besprochen. Es sei eigentlich das Gleichnis der weit offenen Türen und der weit offenen Arme, meinte der Pfarrer. Lieber Matis, I couldn’t agree more!

Kurzer Gruß zum Sonntag

Lieber Schinski,

wenn Du dies liest, werde ich wahrscheinlich gerade beim Dinner mit den Eltern von Till Karsten sein. Die kommen heute Abend. Der Till wird nicht mitkommen, aber wie ich höre, hat er eine ganz schöne Zeit in der Schule und mit seinen Fischen. Du weißt ja, dass er ein echter Aquarianer ist, mit aktuell drei Aquarien im Haus und einem Gartenteich. Ich nehme an, dass ich heute Abend mehr Aktuelles über ihn erfahren werde.

Diese Woche hat mein iphone übrigens dieses Bild eingespielt. Wir waren damals (in 2018) in der Eifel, in Nettersheim, auf einem Feld, auf dem man Überbleibsel aus der Steinzeit gefunden hat. Dort konnten Hobby-Archäologen, wie Du, auch mal ihr Glück versuchen. Die Steine, die Du damals gefunden hast, liegen übrigens immer noch hier im Lärchenweg in der Küche. (Hast Du die Koralle noch, die ich Dir am 10. Juli 2019 geschenkt hatte?)

Am Wochenende habe ich auch Annette Hansmann getroffen. Leo ist offenbar aktuell in Schottland und verbringt dort ein Jahr als Austauschschüler.

Naja, und was noch. Die Pudel-Jungens von Teevje werden immer größer. Hier sind die beiden, die Lisa und Susanne behalten haben: Tebbe und Theo.

Von Chewi hatte ich Dir ja schon berichtet.

Soweit also meine Sonntagsgrüße. Liebe Grüße sendet Dir Dein Papa

Ukrainische Flüchtlinge aufnehmen?

Lieber Matis,

was meinst Du dazu? Soll ich drei Zimmer für vier oder fünf Personen zur Verfügung stellen? Das wäre Dein Zimmer, das Gästezimmer und Mamas Arbeitszimmer im Obergeschoss.

Ich hatte am letzten Freitag eine Anfrage von Kiewer Juristen, die nach Deutschland geflohen waren. Ich konnte aber nicht schnell genug reagieren, so dass sie abends schon etwas gefunden hatten.

Aber grundsätzlich wäre das doch eine schöne Sache, wenn wir den Flüchtlingen aus der Ukraine (auch hierdurch) helfen. Was meinst Du dazu?

Liebe Grüße sendet Dir Dein Papa

Strahlender Sonnenschein

Lieber Matis,

das Wetter meint es ja wirklich gut mit uns. Gestern war ich nachmittags spazieren – ja, mit Chewie – und gleich werde ich mal mit dem Rennrad eine Runde drehen. Der Chewie (ich nenne ihn auch manchmal Snoopy) ist jetzt schon ordentlich gewachsen (7,5 Monate alt).

Ein nettes Foto kam gestern von der Insel Texel. Marie und ihr Papa haben dort ein Tochter-Papa-Wochenende eingelegt und offenbar genießen sie es beide.

Witziger Weise wurde in der letzten Woche auf meinem iphone (das sucht ja immer at random irgendwelche Fotos aus, die dann neben dem Wetter und den aktuellen Zeitungsmeldungen angezeigt werden) das folgende Foto gezeigt:

Passt ja irgendwie. Heute Morgen habe ich mit der Omi telefoniert. Die ist auch richtig gut drauf, wenn die Sonne so schön scheint und sie eine lange Wanderung machen kann. Liebe Grüße von Ihr!

Ich hoffe, Du genießt auch das schöne Wetter.

Liebe Grüße schickt Dir Dein Papa

Heute Morgen

Lieber Schinski,

macht Dich das auch wütend und entsetzt zugleich?

Hast Du die Rede unserer Außenministerin Annalena Baerbock vor den Vereinten Nationen angehört? Wie sie von Mia berichtete, dem Kind, das in diesen Tagen in Kiew im U-Bahn-Tunnel geboren wurde? Und die Zeitenwende, die dieser Ukraine-Krieg für die Welt bedeutet? Ja, wir haben in einer sehr ruhigen Zeit gelebt, Du in den letzten fast 17 Jahren und ich in den letzten fast 56 Jahren. Das ist jetzt anders und wir müssen uns auf die Veränderung einstellen. Hier der Link zu der Rede:

Wir müssen natürlich jetzt vor allem den Menschen in der Ukraine helfen und denjenigen, die aus dem Kriegsgebiet flüchten. Das siehst Du dich vermutlich auch so, oder? Was können wir tun? Wir können Geld spenden und alte Kleider und vor allem Winterbekleidung hinschicken. Denn es herrscht noch die kalte Jahreszeit in Kiew; es ist ein kälter als bei uns und – das ist das Schlimmste – die Menschen sind von Strom und sonstiger Energie abgeschnitten. Und vielleicht ein Gebet schicken; ich war heute Morgen – nicht nur deshalb – in der Kirche; der Pfarrer Hinzen in Sankt Pankratius hat über Trost Spenden gepredigt. In Sankt Pankratius bist Du ja zur ersten Kommunion gegangen; erinnerst Du Dich noch?

Einen Satz in der Rede von Frau Baerbock fand ich sehr wichtig: Wer sich in diesen Zeiten neutral verhält, der unterstützt den Aggressor. Hier kann sich keiner zurückziehen und sagen, es geht mich nichts an. Denn es werden Menschen getötet, es wird Menschen in der Ukraine entsetzliches Leid zugefügt, ein friedlicher Nachbarstaat wird überfallen, einfach weil es geht. Wer dazu schweigt, versündigt sich mit und fördert das Handeln von Herrn Putin.

Es werden auch die russischen Soldaten in einen Krieg gezwungen, den sie nicht wollen. Die Russen und Ukrainer waren ja mal sehr eng befreundet. Es gibt enorm viele Beziehungen auch unter den Menschen. Das ist so ähnlich wie zwischen Deutschland und Frankreich.

Stell Dir vor, Präsident Macron würde morgen ausrufen, dass in Deutschland nur Nazis leben und wir die in Deutschland lebenden Franzosen misshandeln. So macht es Putin. Er lässt seit Jahren über die Ukraine Lügen verbreiten. Die Ukraine hat natürlich einen langen Weg hinter sich und hätte noch einigen Weg zurückzulegen bis zu einer lupenreinen Demokratie und einem Rechtsstaat. Vor allem die Korruption grassiert dort (aber in Russland noch viel mehr).

Die Proteste auf dem Maidan-Platz in 2013 begannen friedlich – vielleicht willst Du das mal im Internet nachlesen -, wurden zunehmend gewalttätig und auch später von rechtsextremen Gruppen beherrscht. Insofern ist was dran an Rechtsradikalismus in der Ukraine. Aber dem aktuellen Präsidenten Zelinsky und den meisten Politikern in der Ukraine kann man das sicherlich nicht vorwerfen. Sicherlich wird es in der Ukraine auch rechtsradikale Strömungen geben; die gibt es leider auch in Deutschland. Aber sie hatten dort nicht das Sagen und sind glücklicher Weise auch in Deutschland nur eine Randerscheinung.

Und erst recht kann das niemals ein Grund sein, mit Waffengewalt unschuldige Ukrainer zu töten, sie in größte Not zu stürzen und die Ukraine rücksichtslos und brutal zu überfallen.

Aber diese Lügen glauben leider die meisten Russen. Heute Morgen habe ich gelesen, dass 71% der Russen die Lügengeschichten ihres Präsidenten über die Befreiung der Russen in der Ukraine und die Befreiung der Ukraine von einer Naziherrschaft glauben. Kannst Du das begreifen?

https://taz.de/Russische-Bevoelkerung-und-die-Ukraine-Invasion/!5838964/

Ja, das ist das Werk einer jahrelangen, verlogenen und rücksichtslosen Propaganda des russischen Staates (Du kannst es Brainwashing der Bevölkerung nennen). Seit Freitag wird die Bevölkerung in Russland von sozialen Medien abgeschnitten und dadurch von der Berichterstattung ausländischer Medien, bei denen man aufgrund der Vielfalt jedenfalls deutlich größere Sicherheit hat, dass sie objektiv berichten.

Wie schon am Montag gesagt, wenn Du Fragen zu dem Thema hast, sprich doch am besten Deine Lehrer an. Die sind kompetent und können versuchen, Dir Antworten zu geben. Auch wenn Du Angst hast, was alles passieren kann, sind Deine Lehrer sicherlich die besten und kompetenten Ansprechpartner. Oder Du nutzt die Kommentarfunktion in diesem Blog oder meine Telefonnummer.

Ich hab Dich lieb! Liebe Grüße schickt Dir Dein Papa

Ukraine

Lieber Schinski,

am Wochenende war ich in Nortmoor und wir haben ein bisschen gefeiert, dass die Zwillinge nun 18 Jahre alt sind. Den Rest der Zeit habe ich bei der Omi verbracht; am Samstag haben wir einen langen Spaziergang gemacht.

Naja, das Wochenende stand aber unter anderen Vorzeichen. Angriff auf die Ukraine. Ich bin sicher, dass auch Du Dir dazu einige Meldungen angeschaut hast. Was denkst Du dazu?

Es ist schon schrecklich, was da passiert. Auf der anderen Seite sieht man den ukrainischen Präsidenten, der sich wirklich heldenhaft vor sein Volk stellt, in Kiew ausharrt und zur Verteidigung aufruft. Dasselbe gilt für die berühmten Gebrüder Klitschko, die natürlich in der Ukraine so etwas wie Nationalhelden sind. Allein die drei verkörpern einen Widerstandswillen, der beispiellos ist. Man glaubt einerseits nicht, dass solch ein – ja, wirklich – Heldentum im 21. Jahrhundert noch wirklich nötig ist, wo man doch kriegerische Auseinandersetzungen allenfalls auf ganz entfernte Gegenden den Erde begrenzt wähnte.

Das gibt aber Grund zu großer Hoffnung. Es gibt zudem Mut, dass unsere Regierung zusammen mit den anderen Regierungen der EU und der USA (und seit heute sogar der Schweiz) sehr entschlossen und einig handeln. Das war für mich am Samstag eine gewisse Unsicherheit, ob die deutsche Regierung, insbesondere die Grünen mit ihrer pazifistischen Tradition, das Richtige tun und entschlossen handeln würden. Aber seit Sonntag morgen in der Debatte im Bundestag wissen wir es. Die treten dem Aggressor Putin, der 40 Millionen Ukrainer und auch die Einwohner des restlichen Europas mit seinem Angriff entsetzt hat, mit sehr harten und empfindlichen Maßnahmen entgegen.

Mit dem erbitterten und enorm mutigen Widerstand der Ukrainer und mit dem harten Widerstand der anderen Staaten (sogar China hat sich heute schon etwas stärker ablehnend positioniert) hat Putin nicht gerechnet. Das ist ein guter Weg. Man kann jedenfalls sehr hoffnungsvoll sein, dass die westlichen Staaten Herrn Putin alles entgegensetzen, was vertretbar ist. Das macht Mut.

Ich hoffe, Du bist auch hoffnungsvoll. Bitte sprich mit anderen über das Thema, wenn Du darüber ins Grübeln kommst. Sprich vielleicht mit Deinen Lehrerinnen und Lehrern darüber. Sie können auch aus ihrer Erfahrung Deine Fragen dazu bestimmt gut einordnen und Dir Antworten geben.

Dein Papa hat Dich lieb!